Alle Artikel in: Aus einem bewegten Puppenleben

Lucy ist zurück! Was hätte geschehen können …

Ich weiß, ich weiß, ihr habt sehr, sehr lange nichts von mir gehört. Und ihr habt euch sicher gefragt, was denn eigentlich passiert ist! Euch Sorgen gemacht, ob es mir gut geht. Hoffe ich zumindest. Ich könnte jetzt natürlich erzählen, dass ich entführt worden bin und jahrelang gefangen gehalten wurde. Zum Beispiel in einem Versuchlabor mit allerhand silbrig glänzenden, undurchschaubar gruseligen Apparaturen, geheimnisvoll blinkenden Bildschirmen, vielen Schläuchen und Erlenmeyerkolben mit unheimlich vor sich hinsubbernden stinkenden Flüssigkeiten, fiesen, langen Injektionsnadeln. Eine total durchgeknallte, schielende, ständig wirr vor sich hinmurmelnde Wissenschaftlerin und ihr warzennasiger Assistent hätten mir Elektroden ins Gehirn gesteckt, mich in Röhren geschoben und durch Teilchenbeschleuniger auf Slimies (schreibt man die so???) geschossen und alle Aktionen, Reaktionen und Fusionen akribisch protokolliert. Zum Glück hätte der moralisch noch nicht total verkorkste neue Praktikant sich eines Tages bereit erklärt, eine der Versuchsratten, der ich einen Zettel mit einem Hilferuf um den Schwanz geringelt hätte, einen Moment unbeaufsichtigt zu lassen … Und dann wäre, nach Monaten des Wartens und Hoffens, irgendwann mit lautem Knall und eine Million Glassplitter …

Kirmes

Während die anderen noch ihre Deutscharbeit schreiben (ich bin schon lange fertig, komisch eigentlich! Ich war mit den Fragen ganz schnell durch und habe sogar nochmal alles durchgelesen! Pipileicht! Ich versteh‘ bloß nicht, warum die anderen so schwitzen!), kann ich ja mal schnell noch erzählen, was bei mir am Wochenende los war! Vorgestern bin ich nämlich mit der Veronika auf der Kirmes gewesen. In Köln ist das ja immer zweimal im Jahr: Einmal nach Ostern und einmal im Herbst. Meistens ist es im Herbst dann schon biestig kalt und auf dem Riesenrad bibbert man die ganze Zeit vor sich hin und wünscht sich, dass es schnell wieder vorbei ist (ist es ja zum Glück auch; die Mama schimpft immer, dass eine so kurze Fahrt für uns alle soviel kostet wie meine gesamte Wintergarderobe), aber in diesem Jahr ist es ja geradezu puppenpopowarm: Genau das richtige Wetter, um sich in einem Sause-Rüttel-Schüttel-Fahrgeschäft den Wind um die Ohren wehen zu lassen! Die Veronika hat zuerst einmal alles, was von ihrem Taschengeld noch übrig war, an einer Losbude …

Weihnachtseinkäufe, die erste!

Heute, direkt nach der Schule, bin ich mit meiner Freundin Veronika in die Stadt. Veronika wollte eigentlich Eis essen gehen, aber ich hatte überhaupt keine Lust dazu, weil wir das fast jeden Tag machen und ich schon unschöne Röllchen um die Hüften bekomme. Wir nehmen immer den extragroßen Freundschaftsbecher mit doppelt Sahne – und eine kleine Portion Zitroneneis für mich. Heute hatte ich aber die spitzenmäßige Idee, doch schonmal die ersten Weihnachtseinkäufe zu erledigen, denn im Dezember ist es gar nicht mehr so spaßig für zwei kleine Handpuppen in der Stadt. Die Veronika, die ist zwar so dick, dass man sie selten übersieht (und in der Vorweihnachtszeit hat sie ja auch meistens ein oder zwei Bodyguards dabei), aber ich muss mich ständig vor dicken Stiefelsohlen in Sicherheit bringen! Zum Glück war die Veronika einverstanden, denn sie hatte die Idee, ihrem Papa einen neuen Mercedes zu kaufen (bei dem letzten hat sie ihm die Kühlerhaube mit ihren Steptanzschuhen total zerkratzt, als sie für die Schulaufführung geübt hat, und deswegen ist ihr Papa immer noch tierisch sauer!), …

Lucy hat den Herbstblues

Ich wusste es doch: Kaum ist Herbst, wird alles mühsam. Der Wecker klingelt mitten in der Nacht, wenn ich aus dem Haus muss, ist es immer noch so dunkel wie im Handpuppen-Popo. Meine Mama kann keinen Gedanken mehr fassen, der nichts mit bald Schlafengehen zu tun hat und vergisst mein Schulbrot. Meine Mathelehrerin haben sie letzte Woche leider auch wieder aus der Psychiatrie entlassen, und alle in der Klasse verlassen sich jetzt auf mich und meine Kreativität mit der Frage, wie wir sie schnellstens dorthin zurücküberweisen. Wir sind zwar auf einem guten Weg (heute in der sechsten hat sie das erste Mal geweint.), aber noch längst nicht am Ziel. Ich gehe ja auf das Gymnasium, das wohl das von uns aus allernächste ist. Für mich ist das aber jeden Morgen eine halbe Weltreise. Meine Mama weigert sich ja, ein Auto zu kaufen und mich morgens hinzufahren. Vielleicht ändert sie ja nächstes Jahr ihre Meinung, wenn ihr „richtiges“ Kind auch auf eine weiterführende Schule weiter weg muss (hoffentlich auf meine, dann kann ich mich vielleicht bei …

Familienzuwachs!

Oh, wie toll! Vielleicht habt ihr es ja schon gesehen: Ich habe einen Kommentar von der Cousine der Mama auf meiner Webseite gehabt. Jetzt weiß ich, dass ich eine echte Stoffs-Verwandte in der Schweiz habe! Ich bin sowas von aufgeregt! Hier zu Hause gibt es ja eine ganze Menge mehr oder weniger nerviger Stofftiere (wusstet ihr eigentlich, dass Stofftiere gegenüber Puppen meistens total herablassend sind?) und außerdem noch meine Adoptiv-Schwester Kunigunde und unser Pflegekind Pimpinella, aber so RICHTIGE Verwandtschaft? Das war bisher total Fehlanzeige, ich dachte immer, ich wäre eine Null-Verwandtschafts-Waise. Meine Mama meint zwar, Blutsbande (bei Menschen nennt man das so) würden oft auch überschätzt, aber ich habe heute ein Foto von meiner Cousine Vroni gesehen und war gleich hin und weg: Sooooo tolle rote Haare! Und so ein hübsches blaues Kleid mit lila Kragen! Genau wie bei mir! Schaut mal, das ist sie:   Da sieht man doch sofort die Familienähnlichkeit! Ich freu‘ mich jedenfalls total darauf, sie näher kennenzulernen. Ich würde ja sowieso gerne mal in die Schweiz fahren, aber Mama hatte …

Blöde, blöde Technik!

Jetzt habt ihr aber wirklich lange nichts mehr von mir gehört: Das hat vor allem damit zu tun, dass meine Mama immer am Computer sitzt und so tut, also ob das Ding nur ihr gehört. (Stimmt natürlich irgendwie.) Ich wollte das ja ändern und hatte mir von meinem Taschengeld einen Puppencomputer bestellt, total chic: pink mit Glitzer-Schmetterlingen und sogar so einem richtigen Birnen-Logo! (Diese Obst-Logos sollen’s ja total bringen!) Und noch mit einer passenden Laptop-Tasche dazu – alles für 15,99 Euro, also, eigentlich ein Bombenangebot! Ich war sowas von häppi! Aber das war ja vielleicht ein Reinfall! Das blöde Ding war doch tatsächlich aus so einem nach Chemieunfall stinkenden Plastik „made in China“ und ganz biestigen scharfen Kanten, an denen ich mir gleich mein Kleidchen aufgeratscht habe (als hätt‘ ich nicht sowieso schon genug Löcher!). An Technik dran waren nur so ein paar billige Knöpfe, wenn man die gedreht hat, hat  das blöde Teil entweder „Häschen in der Grube“ gesungen oder mit hysterisch-fröhlicher Stimme „Hallo Mami, willst du spielen?“ gerufen. Von den Spielen will ich …

Hallo? Hallo!

Also, heute Morgen meinte meine Mama, als junge, aufstrebende Autorin sollte ich eigentlich auf einen Block schreiben. Das ist ja merkwürdig, habe ich gedacht, weil ich das doch die ganze Zeit schon tue. Naja, eigentlich nicht direkt auf einen Block, sondern in ein Notizbuch. Meine beste Freundin, die Veronika, hat gesagt, dass die Mama wahrscheinlich einen BLOG gemeint hat. Die muss es wissen, die Veronika, denn die hat natürlich längst schon einen. Die Veronika hat nämlich immer alles zuerst, weil ihre Eltern ganz, ganz reich sind und sie 1.000 Euro Taschengeld im Monat bekommt. (Meine Mama sagt, das nennt man dann eigentlich nicht mehr Taschengeld, sondern Gehalt, und Gehalt bekommt man normalerweise nicht für’s Kindsein, sondern für’s Arbeiten. Aber sie glaubt mir das sowieso nicht, das mit den 1000 Euro.) Die Veronika schreibt ihren Blog auch gar nicht selber, sondern lässt das ihren Hausaufgaben-Manager erledigen. Klasse Sache, das! Leider habe ich (noch) keinen Hausaufgaben-Manager, deshalb muss ich mich kurz fassen – Mama steht schon wieder hinter mir und drängelt, weil ich noch Mathe machen muss …