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Mini-Schoko-Gugelhupf mit Rote Bete

Na los – komm ruhig näher und greif zu! Nimm dir einen …

Mini-Schoko-Gugelhupf mit Rote Bete

 

Trommelwirbel und Tusch: Ich präsentiere noch was, was wir hier alle sehr lieben: Gugelhupfe im Miniaturformat zum Liebhaben und mit einem Haps verschlingen. Ungefähr so groß wie ein Trüffel-Pralinchen sind diese kleinen Leckerbissen, die sich bei uns größter Beliebtheit erfreuen, weil sie a) superlecker b) nur eine ganz, ganz klitzekleine Verführung sind. Solange man nur einen isst … oder zwei … und bei dreien – naja. Ist immer noch nicht soviel wie ein „erwachsenes“ Stück Kuchen!

Wir jedenfalls backen diese kleinen Köstlichkeiten schon seit vielen Jahren; schon als das „richtige Kind“ noch in die Grundschule ging, war das der Renner als Geburtstags-Mitbringsel – wir haben dann immer drei Sorten gebacken: Schlumpf-Zitrone – in knallblau – Straciatella – und Schoko-Guglhupfe mit Rote Bete. Was man natürlich braucht, sind Mini-Gugl-Backformen – sonst ist die ganze Aktion ja irgendwie witzlos. Ich verlinke euch unten mal verschiedene Angebote. Wir selbst verwenden eine Silikonbackform, aber nicht jeder mag in diesem Kunststoff backen, daher gebe ich noch eine Alternative aus Metall an.

Angesichts der feinen Rillung muss man die Förmchen auf jeden Fall sehr sorgfältig einfetten, sonst lösexn sich die Küchlein schlecht aus der Form und gehen kaputt – was unbestreitbar sehr, sehr schade wäre, denn das Auge isst hier ja mal wieder in besonderem Maße mit!

Aber kommen wir doch einfach mal zu den Zutaten:


für etwa 20 kleine Hupfe:
etwas Butter und Mehl zum Einfetten der Form

40 g dunkle Schokolade (70% Kakaoanteil), geschmolzen
80 g Rote Bete, gekocht und püriert
80 g Butter
55 g Puderzucker
1/2 Paket Vanillezucker


1 Ei & 1 Eigelb
75 g Mehl
Mark von 1/2 Vanilleschote
1 Prise Salz

und wer noch gerne einen Guss hätte:
100 g dunkle Kouvertüre

außerdem vorab bereitstellen*: einen kleinen Topf – einen mittleren Topf mit etwas kochendem Wasser und eine hohe Tasse zum Schmelzen der Schokolade – eine Rührschüssel – die Küchenwaage – einen Backpinsel – die Gugelform – das Handrührgerät – den Stabmixer

Und schon kann’s losgehen:

1. Die Vorbereitungsarbeiten: Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Da bei unserem blöden Ofen die Ober-/Unterhitze  kaputt ist, heizen wir bei ca. 190 Grad Umluft vor. Geht auch.

In einem kleinen Topf einen Klacks Butter zum Schmelzen bringen, Förmchen gründlich ausfetten, mit etwas Mehl bestäuben.

2. Den Teig zubereiten: Die Schokolade im Wasserbad zum Schmelzen bringen. Wir bröckeln dazu die Schokolade einfach etwas klein, tun sie in eine Kaffeetasse und stellen diese in kochend heißes Wasser.

Die Rote Bete mit dem Pürierstab pürieren.

Die Butter mit dem Puder- und dem Vanillezucker schaumig schlagen. Die pürierte Rote Bete und die Eier zugeben, kurz verrühren, die geschmolzene, etwas abgekühlte Schokolade dazugeben und alles mit dem Handrührgerät schon cremig schlagen. Zum Schluss das Mehl mit der Prise Salz und der Vanille dazugeben und alles noch einmal gründlich vermischen.

3. Backen: Den fertigen Teig entweder in einen Spritzbeutel geben oder – wem das zu umständlich ist – mit zwei Teelöffeln vorsichtig in die Förmchen füllen. Aufpassen: Die Förmchen mit bis knapp unter den Rand mit etwa einem gehäuften Teelöffel befüllen!

Im vorgeheizten Backofen etwa 17–18 Minuten backen. Sobald die Küchlein etwas abgekühlt sind, aus der Form lösen.

Und wer’s gerne mit Guss mag (bei uns überleben die kleinen Hupfe meist nicht so lange, dass wir noch groß Schokoguss darauf anbringen könnten): Die Kouvertüre über’m Wasserbad schmelzen und gleichmäßig über die kleinen Küchlein verteilen …

Und wieder einmal wünschen wir viel Spaß beim Nachbacken!

  • Lucys prima Praxis-Tipp für enge und chaotische Küchen: Tönnchen und ich haben es uns inzwischen angewöhnt, vor dem Backen grundsätzlich die Zutatenliste genau durchzusehen und für jede Zutat ein Schälchen herbeizuholen. Und bevor wir mit irgendeinem anderen Arbeitsschritt beginnen, stellen wir sämtliche Zutaten vor uns auf den Tisch. Und die Waage, den Messbecher, die Rührschüssel, den Backpinsel … (und die Kamera natürlich. Denn wir wollen ja auch schöne Bilder machen, manchmal von jedem einzelnen Arbeitsschritt.) Wir messen bzw. wiegen alle Zutaten in jeweils einem eigenen Schälchen ab und stellen sie in der Reihenfolge ihrer Verwendung auf. So kommt nix durcheinander und es entsteht kein Chaos zwischendrin!

 

 

Lucy backt, auch nach Weihnachten: SKKMSS

Omis köstliche Sauerkirschtarte

 

Kaum war Weihnachten vorbei und vorerst auch die Plätzchenbackerei, machte das Tönnchen auch schon wieder Stress: Ich sollte euch unbedingt das Rezept für den Lieblingskuchen ihrer und Mamas Jugend verraten. Weil sie ja schließlich auf einem soooooo schönen Foto auf Instagram mit besagtem Kuchen zu sehen ist – und sooooo viele Leute das Bild wunderschön fanden (jaja, der Kuchen ist schon lecker und sieht auch so aus!). Aber dann kamen im Januar ja erst einmal Mamas Geburtstag und Opas Achtzigster dazwischen – und da waren wir zwei ja extrem fleißig in der Küche (wie der ein oder andere sicherlich von Tönnchens Instagram-Kanal weiß ;-). Aber dazu später. Kommen wir nun also zunächst einmal zu unserem wunderbaren All-Time-Kuchen-Favoriten:

Eingeführt in unsere Familie wurde er unter dem wohlklingenden Namen SKKMSS (sprich: Esskakaemmessess) – die ungeheuer griffige Abkürzung für „Sauerkirschkuchen mit saurer Sahne“. Unter diesem eher umständlichen Titel stand das Rezept damals in irgendeiner dieser Frauenzeitschriften, die man im letzten Jahrtausend so las … Brigitte, Für Sie, Feindin, Puppen und ihre Mütter … oder so ähnlich. Das war zu einer Zeit, in der alle um uns herum noch keine Berührung mit französischer Patisserie gehabt hatten und Buttercremetorte, Streuselkuchen und Frankfurter Kranz das Höchste der Gefühle darstellte, schon eine echte Innovation! Deswegen auch der Name. Die Bezeichnung „Tarte“ hätte damals bei den meisten ein unverständiges „Häääää?“ ausgelöst und wäre als Rechtschreibfehler aufgefasst worden.

Zunächst einmal die Zutaten:


für den Mürbeteig:
175 g Mehl
100 g Butter
1 Ei (Klasse S … oder M )
80 g Zucker
1 Prise Salz
1 Päckchen Vanillezucker
*

500 g Hülsenfrüchte (Dicke Bohnen, Kichererbsen o.ä.) zum Blindbacken


für den Guss:
mindestens 6 EL gemahlene Mandeln
1 großes Glas Sauerkirschen (*s. Tipp)
3 Eigelb (mit den Eiweiß könnt ihr dann schnell köstliche Mandelhörnen als den kleinen Sidekick backen!)
30 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
die abgeriebene Schale von 1/2 Bio-Zitrone
1 EL Zitronensaft
1 TL Speisestärke
250 g saure Sahne

*

* Lucys Tipp: …  Ihr könnt stattdessen selbstverständlich auch frisches Obst nehmen, z.B. frische Kirschen (entsteint, versteht sich!!) … oder Blaubeeren. Das frische Obst solltet ihr dann aber ca. 10 Minuten mit etwas Zucker andünsten, und danach wie die Sauerkirschen gründich abtropfen lassen.

Und los geht’s. Wir backen ja immer gleich mehrere von den Kuchen auf Vorrat – oder wir bereiten ein paar Mürbekuchenteige parallel vor und frieren den Teig ein. Da sind wir ganz praktisch veranlagt. Einziges Problem bei der Sache: Mama, Tönnchen und ich haben viel öfter Lust, Kuchen zu backen, als Kuchen aufzutauen. Irgendwann ist dann der Gefrierschrank bis oben voll – und dann?? Ach – eigentlich ganz einfach. Man lädt die Veronika ein.

Bevor ihr mit der

1. Herstellung des Mürbeteigs

beginnt, schüttet schon einmal die Kirschen in so ein Abtropf-Dings (wenn ihr Kirschen aus dem Glas nehmt). Denn das Geheimnis eines gelungenenMürbeteig-Kuchens ist: Er darf nicht zu matschig, zu nass und zu weich werden.

Außerdem könnt ihr den Backocken schonmal auf 180 Grad vorheizen!

Die Teigzutaten – Mehl, Butter, Ei, Zucker, Salz und Vanillezucker – entweder in einer Schüssel mit den Knethaken des Handrührgerätes oder mit den Händen auf einer bemehlten Arbeitsfläche rasch zu einem glatten Teig verarbeiten.

Lucys Praxistipp: Immer etwas Mehl zusätzlich zur Hand haben! Es klingelt IMMER der Paketbote oder das Telefon, wenn man beide Hände im Teig hat. Mit etwas Mehl bekommt man das Meiste schnell abgeribbelt, ansonsten dauert’s ewig, und man muss sich in aller Eile die halbe Teigmenge abwaschen (und hat dann zu wenig für den Kuchen übrig) oder man hat hinterher am Telefonhörer, an der Türklinke und am Türaufdrückknopf den Teig kleben, was ja auch nicht so toll ist. (Der Paketbote guckt auch immer etwas doof, wenn man auf seinem Unterschreibe-Dings fette Teigschlieren hinterlässt!)

Den fertig gekneteten Teig eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen, dann auf einer leicht bemehlten Fläche kreisförmig ausrollen.

2. Blindbacken

Den Boden einer klassischen Springform* (24–26 cm Durchmesser) mit Backpapier auslegen; die Seiten mit etwas Butter bepinseln und den kreisförmig ausgerollten Teig so darin verteilen, dass man etwa 3 cm Rand hat.

Lucys Praxistipp: Ihr könnt natürlich auch eine entsprechend große Tarteforme nehmen – was ich auch tun würde –, aber anno dunnemals, als die Omi das Rezept zum allerersten Mal backte, hatte man sowas in deutschen Haushalten nicht – nur eine Springform und eine Kastenform (maximal noch eine Guglhupfform).

Der Teig wird nun wiederum mit Backpapier ausgelegt und mit den trockenen Hülsenfrüchten (Bohnen oder Kichererbsen) befüllt. Den so beschwerten Boden ca. 15 min bei 180 Grad backen.

Aus dem Ofen holen, das Backpapier mit den Hülsenfrüchten herausheben (diese aufbewahren – die könnte ihr beim nächsten Blindbacken wieder benutzen!) und den Boden mit den gemahlenen Mandeln bestreuen. Darauf die gut abgetropften Kirschen gleichmäßig verteilen.

Fehlt nur noch der

3. Guss

Saure Sahne, Eigelb, Vanillezucker, Zucker, Zitronensaft und Stärke mit dem Handrührgerät schön schaumig verquirlen. Dann den Guss gleichmäßig über die Kirschen gießen.

Im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad (Umluft/Gas Stufe 3) ca. 25 Minuten backen lassen, bis die Oberfläche einen zarten Goldbraunton angenommen hat.

Fertig! Und wieder einmal wünschen wir euch frohes Gelingen beim Nachbacken.

Euer fröhliches Back-Team

Lucy & Tönnchen

 

Lucy backt, Teil 3: Kleine Mandelhörnchen

Lucys backt (naja, schnabuliert) für Weihnachten:

Kleine Mandelhörnchen

Als die Mama noch klein war, da ging sie immer mit meiner Oma und und meinem Opa (also anders gesagt: mit ihren Eltern) ins Café Römer in Geisweid. Und da gab es entweder den besten Baumkuchen der Welt oder die besten Mandelhörnchen der Welt für die Mama. Was den Baumkuchen angeht, haben Mama und ich schon einige Rezepte ausprobiert – und wir waren nicht richtig glücklich. Dieses Jahr haben wir’s mit einem Rezept aus dem ZEIT MAGAZIN versucht – da gab es eine Ausgabe, die sich nur mit Kuchenbacken beschäftigte, aber überzeugt hat uns das nicht. Mal abgesehen davon, dass die Mama immer verständnislos den Kopf schüttelt, wenn sie dir Rezeptfotos aus der ZEIT anschaut – klar, die haben ihre eigene Ästhetik, aber Appetit machen die nicht! Wir probieren die Rezepte dann aber manchmal trotzdem aus, und zuletzt eben den Baumkuchen. Unser Fazit: Okay, kann man essen, aber schmecken zu sehr nach Ei. Kein Wunder – es mussten ZEHN (10!) Eier in den Teig. Wir haben dann Baumkuchenspitzen daraus gemacht: Ganz von Schokolade umhüllt, ist das Geschmackserlebnis ausgewogener und man hat nicht mehr den Eindruck, ein Klötzchen sehr süßes Rührei zu essen – aber: An den Baumkuchen von Café Römer kommt eigentlich nach wie vor nur der aus dem Naschwerk in Siegen heran! Der ist sogar vielleicht noch ein kleines bisschen besser!

Also – die Suche nach dem besten Baumkuchenrezept geht weiter. Wenn ihr tolle Tipps dazu habt, schreibt mir doch mal!

Jetzt aber zur guten Nachricht: Unsere kleinen Mandelhörnchen sind mindestens genauso lecker wie die aus Mamas Kindheit. Sagt sie zumindest. Ich weiß das nicht, ich war ja nicht dabei. Immer, wenn sie in eins reinbeißt, guckt sie ganz verklärt …

Natürlich hätten wir, das unschlagbare Backteam Lucy und Tönnchen (schaut doch mal bei Tönnchen auf Instagram vorbei!) das gerne selbst in die Hand – bzw. in die Pfötchen genommen. Aber genau das ist das Problem: Das ganze Rezept wird mit der Hand gemacht! Keine Handrührgeräte, keine Mixer, keine Teigrolle, nix! Geknetet, gerollt, geformt, gewälzt – alles komplett manu-factum! Und mal ehrlich: klebriges Marzipan an meinen zarten Puppenhänden? Neee, ohne mich. Tönnchen hätte ja im Prinzip ziemlich gerne mitgematscht – aber das wollte Mama dann irgendwie auch nicht. Das sei unhygienisch, sagt sie. Naja, wenn ich mir das Nilpferd so angucke, muss ich Mama leider recht geben …

Jetzt aber zum Rezept. Die Zutatenliste ist wieder äußert überschaubar:

250 g Marzipan
1 Eiweiß (Größe M)
100 g Zucker
6 Tropfen Bittermandelöl
eine winzige Prise Salz

150 g Mandelblättchen

und zum Schluss, für den der’s mag:
30 g Schokolade (ab 60%Kakaoanteil – oder wie immer ihr das mögt. Ich würde aber eher bitter verwenden, die Hörnchen sind süß genug!)

Und auch die Zubereitung ist nicht wirklich schwierig.

Einfach, aber matschig: Die Zubereitung

Die Mandelblättchen in eine breite Schüssel (oder einen tiefen Teller) schütten und zur Seite stellen.

Den Ofen auf 180 Grad (Gas Stufe 2) vorheizen.

Die restlichen Zutaten (bis auf die Schokolade!) – in eine Schüssel geben und mit den Händen (bäh!) solange kneten, bis die Zutaten gut vermischt sind. Das Ganze darf sich ruhig matschig anfühlen und ziemlich klebrig sein. Wenn ihr es ZU klebrig findet und Schwierigkeiten beim Formen der Hörnchen habt, könnt ihr noch ein, zwei Löffelchen gemahlene Mandeln dazugeben. Sobald der Teig ordentlich durchgemascht ist, formt ihr kleine Kugeln von der Größe einer Marzipankartoffel – allerdings nicht von so einem verschämt kleinen Marzipankartöffelchen, sondern ruhig etwas größer! Das Rosinchen hat sich mal zum Größenvergleich danebengelegt: Deutlich größer als ein Rosinchenfuß, vom Gesamtvolumen her nur etwas kleiner als ein Rosinchenkopf!

Klar? Aus den Rollen formt ihr zwischen den Händen kleine Hörnchen – und die werden dann tüchtig in den Mandelblättchen gewälzt, bis sie über und über damit bedeckt sind.

Lucys kleiner Praxistipp: Wenn die Mandelblättchen nicht unbedingt so toll haften und immer wieder runterfallen wollen, solltet ihr diese ein wenig zerkleinern (Mama geht, bevor bevor sie mit dem eigentlich Teig anfängt, mit ihren Händen einmal durch die Mandelblättchen und zerbröselt sie auf etwa 1/2–1/3 Blättchengröße) – die kleiner Splitter haften wesentlich besser, und der Optik tut es keinen Abbruch, eher im Gegenteil!

Sobald die Hörnchen mit Mandeln bedeckt sind, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Ihr müsst dabei keinen allzugroßen Abstand einhalten – die Hörnchen behalten im Großen und Ganzen ihre Form und laufen nicht auseinander!

Wenn das Backblech voll ist (ihr müsstet mit einem auskommen – eventuell bleiben noch 4–5 Hörnchen für einen zweites Blech), ab in den Ofen!

Backzeit bei 180 Grad etwa 15–17 Minuten

Sehen die nicht lecker aus?

Man kann die Enden der Hörnchen natürlich auch noch in über dem Wasserbad geschmolzene Schokolade tauchen. Das KANN man tun, muss man aber nicht. Wir machen es normalerweise NICHT.

Ergibt um die 25 Stück. Klingt wenig, ist aber O.K. – die hauen rein! Selbst Mama schafft nicht mehr als drei – und das will etwas heißen!

Das war’s! Und auch heute wünschen wir euch gutes Gelingen beim Nachbacken.
Wenn ihr Lust habt, schreibt uns doch mal, ob ihr die Mandelhörnchen auch so lecker findet!

Euer fröhliches Back-Team

Lucy & Tönnchen

P.S. Heute kommt Besuch von Mamas Ex-Grundschuleltern-Freundinnen. Da gibt’s dann die Mandelhörnchen – und den Rest esse ich.

 

Lucy backt, Teil 2: knusprige Mandelplätzchen

Lucys backt für Weihnachten:

Knusprige Mandelplätzchen

Im Teil 1 hatte ich das Rezept vorgestellt, das es als letztes in den Kanon unserer liebsten Weihnachtsrezepte geschafft hat. Wir probieren in unserer puppigen Versuchsküche eine Menge aus, aber es schaffen auch viele Rezepte gar nicht in eine zweite Runde. Schließlich stellen wir hier hööööchste Ansprüche an Geschmack, Duft (ihr ahnt gar nicht, wie sensibel  Stofftier- und Puppennasen sind!) und nicht zuletzt auch die Optik.

Dieses Rezept geht auf Mamas Kindheit zurück, obwohl Tönnchen auf Instagram behauptet, es handle um ein ganz altes Familienrezept von ihrer Urgroßmutter Methusalömmchen. Mag sein. Ich war noch nicht genäht, als das Rezept zum ersten Mal ausprobiert wurde. Das war nämlich auf jeden Fall zu Mamas Schulzeiten (wie man an der Kinderschrift auf dem Rezeptmanuskript deutlich erkennen kann) – irgendwann im späten Mittelalter also. Jedenfalls hat sie die Plätzchen wohl für irgend so ein Adventsfrühstück in ihrer Klasse ausprobiert.

Unsere Mandelplätzchen basieren jedenfalls auf einem Rezept für Florentiner, auf dessen Zutatenliste noch so allerhand Florentiner-Typisches wie Zitronat, Orangeat und Honig stand. Mochte meine Mama früher alles nicht so richtig gern (Honig findet sie heutzutage immer noch ganz abscheulich). Deswegen hat sie einige Male damit herumexperimentiert, und schließlich ist folgende überschaubare Anzahl an Zutaten übrig geblieben:

300 g gehobelte Mandeln
30 g Butter
60 g Zucker
1 Vanilleschote
1 Becher Schlagsahne (250 g)
60 g Mehl

und zum Schluss noch:
100 g Schokolade – Bitter, Vollmilch oder weiß – ganz nach Euren persönlichen Vorlieben!

Das war’s schon! Am Wochenende hatten wir zufällig alle Zutaten im Haus, und es war ja auch zweiter Advent. Die Elche hatten schon alle Baumkuchenecken (ein Rezept aus dem ZEIT Magazin, das Tönnchen letzten Sonntag getestet hat, und das es bei uns definitiv nicht in die zweite Runde schafft, obwohl wir eigentlich Baumkuchenfans sind – es schmeckte einfach zu sehr nach Ei – waren auch 10 Eier drin, wen wundert’s!) aufgegessen – also mussten neue Plätzchen her! Und obwohl das Nilpferd und ich ja nicht gerade die aller-, allerbesten Freundinnen sind (zumal sie in letzter Zeit ständig an ihrem Buch arbeitet, und das beunruhigt mich etwas – nicht, dass sie damit fertig ist, bevor meine Fortsetzung zu 2 und 1/2 Portion – Verschwörung im Schlosshotel erschienen ist!!), lief die Zusammenarbeit richtig prima!

Schnelle und einfache: Die Zubereitung

Alle Zutaten und einen kleinen Topf, außerdem zwei mit Backpapier belegte Backbleche bereitstellen.

Die Butter bei geringer Temperatur zum Schmelzen bringen.

Vanilleschote mit einem Messer aufritzen und das Mark herauskratzen (faule Puppen nehmen Vanillearoma, aber wir stehen voll auf das echte Zeug!). Das Rauskratzen machen wir übrigens immer mit einem Teelöffel, das geht am besten!

Alle übrigen Zutaten zur geschmolzenen Butter in den Topf schütten, bei geringer bis mittlerer Temperatur unter Rühren solange erhitzen,  bis die Masse etwas eindickt (das geht ziemlich schnell, der Teig sollte noch eher flüssig als teigig sein, sonst klappt das mit dem Portionieren nichtn so gut. Ist alles eine Angelegenheit von wenigen Minuten! Mama hat schon ).

Achtung: gleichmäßig mit einem Holzlöffel umrühren, damit nichts anbrennt!

Der etwas aufwendigere Teil: Portionieren und backen

Den Backofen auf 180 Grad (Gas Stufe 2) vorheizen. Backzeit zwischen 15 und 20 Minuten

Sobald die Masse etwas eingedickt ist, den Topf vom Herd nehmen. Mit zwei Teelöffeln kleine Klackse auf das Backpapier geben und gaaanz dünn ausstreichen. Je dünner, desto besser, und wirklich nur ein Teelöffelchen pro Plätzchen, damit die Plätzchen auch soooo schön knusprig werden, wie sie am aller-, allerköstlichsten sind. Dabei möglichst zügig verfahren, denn der Teig dickt, je länger er rumsteht, immer weiter ein, und je dicker, desto schwieriger wird es, hauchdünn zu verstreichen!

WICHTIG: Je dünner, desto knuspriger!

Wenn ein Blech fertig ist – ab damit in den Ofen. Während das erste Blech backt, die Mandelplätzchen auf dem zweiten wie oben beschrieben vorbereiten.

Der Teil, bei dem Wachsamkeit angesagt ist: Das Backen

Nach spätestens 13 Minuten würde ich an eurer Stelle einen ersten Blick in den Ofen werfen. Sind noch alle Plätzchen mandelig-sahnig hell, hat’s noch ein paar Minütchen Zeit. Ab jetzt aber aufgepasst – zwischen herrlich karamellig-knusprig und verbrannt ist ein sehr schmaler Grat, daher behaltet die Plätzchen gut im Auge. Gegebenfalls das ein oder andere Plätzchen schon vorzeitig vorsichtig mit einer Gabel oder so einem Schiebedings herausholen (Achtung! Brechen sehr leicht, also ist Fingerspitzengefühl angesagt!). Fertig sind alle Plätzchen, wenn sie eine zart-bräunliche Farbe angenommen haben.

Der Teil, zu dem es nur gelegentlich kommt: das Schokoladenfinale!
Ehrlich gesagt – zu diesem Teil kommen wir meistens gar nicht. Wenn die Mandelplätzchen aus dem Ofen kommen, schaffen wir es eventuell sogar noch unsere Gier ein paar Minütchen zu zügeln, und die Plätzchen etwas abkühlen zu lassen – ganz frisch aus dem Ofen bröseln und brechen sie nämlich leicht. Dann muss man sien natürlich sofort aufessen.

Sollten sie die Abkühlungsphase überstanden haben, ohne direkt vom Blech gegessen worden zu sein, dann, ja dann könnt ihr auch noch Schokolade (Sorte nach euren Vorlieben, ist alles lecker!) über dem Wasserbad schmelzen und mit einem Backpinsel  (oder einfach mit einem Messer, so wie man ein Brot buttert!) die Rückseiten bestreichen, trocknen lassen, servieren. Der Teenager in unserem Haushalt bevorzugt übrigens die Plätzchen pur, ohne Schokolade. Mama mag sie lieber mit. Also – alles, wie es euch gefällt!

Ergibt übrigens um die 65-70 Stück. Klingt viel, ist es aber nicht, wenn man mal angefangen hat, zu probieren!

Fertig! Und wieder wünschen wir euch gutes Gelingen beim Nachbacken.
Wenn ihr Lust habt, schreibt uns doch mal, wie lange ihr gebraucht habt, um alle aufzuessen!

Euer fröhliches Back-Team

Lucy & Tönnchen

Lucy backt! Teil 1: kleine Pistazien-Marzipan-Strudel

Lucys backt für Weihnachten:

Kleine Quarkstrudel mit köstlicher Füllung

Naja, wenn ich gaaanz ehrlich bin, dann war das nicht allein meine Idee, das mit der Back-Kolumne auf meinem Blog. Aber Tönnchen, das kleine, olle, aber nicht ganz unpfiffige Nilpferd in unserem Haushalt (habe ich schonmal von ihr berichtet?), betreibt seit ein paar Tagen einen Instagram-Account, wo sie Fotos von sich postet. Und eben auch welche, die sie bei der Weihnachtsbäckerei zeigen. Und weil die wohl ganz gut ankommen (ich fasse es ja nicht, wieviele Leute sich so ein schäbbiges kleines Plüschtier angucken!), dachten wir, wir verraten euch hier mal unsere All-Time-Klassiker-Lieblings-Plätzchen-Rezepte. Alle von uns vielfach erprobt, an Freunden und Nachbarn getestet (leben alle noch und pflegen nach wie vor den Umgang mit uns) und mit dem Prädikat „superlecker“ ausgezeichnet. Aber jetzt geht’s los.

Die kleinen Quarkstrudel mit Pistazien-Marzipan-Füllung sind tatsächlich das jüngste Rezept in unserer Sammlung – die haben wir im vergangenen Jahr zum ersten Mal gemacht, als unsere Mama zum Advents-Kaffeetrinken für ihre Freundinnen geladen hatte und sie fand, dass von Florentinern, Mandelhörnchen, Mini-Schoko-Gugls, Nussecken, Vanillekipferln, Kokosmakronen und einer kleinen Auswahl an Obstkuchen, Muffins und Cupcakes die geladenen 5 Gäste UNMÖGLICH satt werden könnten. Da kam dieses Rezept – ursprünglich aus einer alten Ausgabe von ESSEN UND TRINKEN uns gerade recht – bei der angegebenen Menge kommen locker so um die 70 Strudelchen heraus.


für die Füllung:
100 g Pistazienkerne (Alternativ: Mandeln)
250g Marzipanrohmasse
2 Eiweiß (Klasse M)
2 El Zitronensaft
6 Tr. Bittermandelöl

für den Teig:
500g Mehl
1 Pk. Backpulver
200 g Butter, weich
75 g Puderzucker
1 Pr. Salz
2 Eigelb
250 g Magerquark

 

und zum Schluss noch:
100 g Butter (flüssig)
Puderzucker zum Bestäuben

Das wär’s auch schon an Zutaten. Gestern hat ja im großen und ganzen Tönnchen die Arbeit gemacht – ich habe zugeschaut, fotografiert und gelacht. Nicht nur, dass sie ihren Freund, den Drachen Awful, über und über mit Mehl und Puderzucker bestäubt hat und wir fast die Küche abgefackelt hätten, weil der natürlich vor Schreck eine Stichflamme gespuckt hat  … nein, sie hat natürlich auch die Anleitung nicht so richtig gelesen. Aber, hej – man kann Handrührgeräte ja nachkaufen!

* ACHTUNG: Mehlstaub ist eine explosive Angelegenheit!!

Ihr fangt an mit der

1. Herstellung der Füllung

Pistazienkerne im Mixer oder Blitzhacker fein mahlen.

Marzipan grob raspeln * und mit den Eiweißen, Bittermandelöl und Zitronensaft in einer Schüssel mit dem Handrührgerät sehr cremig schlagen.

Zum Schluss noch die Pistazien unterrühren.

ACHTUNG: Nicht als ganzen Klotz in die Schüssel werfen, wie es das faule Hippo gestern meinte, tun zu müssen! Jedenfalls fing es nach einer Weile an, aus dem Gerät zu qualmen und dann machte es puff, und danach ging nichts mehr …

2. Herstellung des Teiges

Butter, Puderzucker und 1 Prise Salz ca. 5 Minuten mit dem Handrührgerät schaumig schlagen.

Eigelbe zugeben und eine Minute lang unterrühren.

Quark dazugeben – und nochmal kräftig rühren!

Mehl und Backpulver zugeben, mit den Knethaken des Handrührgerätes unterarbeiten, bis ein glatter Teig entstanden ist – oder mit den Händen durchkneten. So macht die Mama das, aber Tönnchen hat natürlich nicht die Pfötchen genommen – wäre ja voll unhygienisch!

So, jetzt müsst ihr nur noch Füllung und Teig zusammenbringen. Jetzt wird es Zeit, den Ofen schonmal auf 180 Grad (Umluft 160 Grad, Gas Stufe 2–3) vorzuheizen!

3. Füllung des Teiges
Teig in 4 Portionen teilen und diese zu jeweils zu 40 cm langen Teigwürsten formen.

Den ersten Teigstrang auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck ausrollen (ca. 60 x 10 cm), 1/4 der Füllung daraufgeben, gleichmäßig verteilen (kleiner Tipp: Messer oder kleine Teigrolle dabei zu Hilfe nehmen)

Teigrechteck längs eng aufrollen

Rolle im Zickzack zu kleinen Dreiecken schneiden.

Genauso mit den 3 anderen Strängen verfahren.

4. Backen
Marzipan-Ecken auf ein Backblech setzen, auf der 2. Schiene von unten ca. 15 Min. backen.

5. Fertigmachen zum Aufessen!
Sobald die lecker duftenden Ecken aus dem Ofen kommen, diese mit flüssiger Butter bepinseln. Puderzucker darüber sieben – und ab in den Mund ! Falls noch welche übrig sind, wenn die Gäste kommen: Vor dem Servieren noch einmal mit Puderzucker bestäuben.

Fertig! Ich wünsche euch frohes Gelingen beim Nachbacken. Es ist nicht ganz einfach und braucht ein bisschen Geduld, aber wir finden, es lohnt sich! Schreibt mir doch mal, wenn ihr das Rezept ausprobiert habt!

Euer fröhliches Back-Team

Lucy & Tönnchen

 

Lucy ist zurück! Was hätte geschehen können …

Ich weiß, ich weiß, ihr habt sehr, sehr lange nichts von mir gehört. Und ihr habt euch sicher gefragt, was denn eigentlich passiert ist! Euch Sorgen gemacht, ob es mir gut geht. Hoffe ich zumindest.

Ich könnte jetzt natürlich erzählen, dass ich entführt worden bin und jahrelang gefangen gehalten wurde. Zum Beispiel in einem Versuchlabor mit allerhand silbrig glänzenden, undurchschaubar gruseligen Apparaturen, geheimnisvoll blinkenden Bildschirmen, vielen Schläuchen und Erlenmeyerkolben mit unheimlich vor sich hinsubbernden stinkenden Flüssigkeiten, fiesen, langen Injektionsnadeln. Eine total durchgeknallte, schielende, ständig wirr vor sich hinmurmelnde Wissenschaftlerin und ihr warzennasiger Assistent hätten mir Elektroden ins Gehirn gesteckt, mich in Röhren geschoben und durch Teilchenbeschleuniger auf Slimies (schreibt man die so???) geschossen und alle Aktionen, Reaktionen und Fusionen akribisch protokolliert. Zum Glück hätte der moralisch noch nicht total verkorkste neue Praktikant sich eines Tages bereit erklärt, eine der Versuchsratten, der ich einen Zettel mit einem Hilferuf um den Schwanz geringelt hätte, einen Moment unbeaufsichtigt zu lassen … Und dann wäre, nach Monaten des Wartens und Hoffens, irgendwann mit lautem Knall und eine Million Glassplitter verspritzend, eine mobile Eingreiftruppe des FBI, MI6, des BKA, des StTG (Stofftiergeheimdienstes), Greenpeace oder die Mission Impossible-Truppe durch die Sicherheitsschleuse gebrochen und hätte mich gerettet.

Oder ich wäre auf einer Reise durch Afrika oder Asien oder Südamerika mitten aus meiner Reisegruppe heraus von maskierten Rebellen mit Maschinengewehren aus dem Bus gezerrt, in einen Sack gesteckt und verschleppt worden. Zuerst hätte man mich irgendwo in einem stickigen, tags brüllheißen und nachts bibberkalten Zelt in der Wüste, an Händen und Füßen gefesselt, gefangen gehalten. Als einzige Gesellschaft hätte mir eine kleine Ziege an den Zehen geknabbert. Einmal am Tag wäre eine von oben bis unten verschleierte Gestalt unbestimmbaren Alters und Geschlechts hereingekommen und hätte mir einen Napf mit unvorstellbar übelriechendem Mampf und einen Tonkrug mit schlammigem Wasser hingestellt. Ich hätte aus lauter Langeweile versucht, der Ziege das Sprechen beizubringen – vergebens natürlich. Wochen später wäre ich auf die Ladefläche eines schäbigen Pick-ups geworfen worden, der mich – stundenlang über buckelige Pisten eiernd – durchgerüttelt hätte, immer in der Gefahr, von den mitreisenden Schafen zu Tode gequetscht zu werden. Spät am Abend hätten wir die Außenbezirke einer gesichtslosen Wüstenstadt erreicht, man hätte mir einen schwarzen Sack über den Kopf gezogen und weggeschleppt. Ich hätte noch den Einstich einer Injektionsnadel gespürt, und dann … Keine Ahnung, wieviel Zeit dann vergangen wäre, bis ich in einer schmuddeligen Zelle aufgewacht wäre. Durch Klopfzeichen hätte ich immer wieder versucht, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen, immer im Ungewissen, ob mich irgendeiner hört. Einmal am Tag hätte mir jemand durch eine Luke einen Napf mit … ihr wisst schon. Siehe oben. Eines Tages wäre es mir gelungen, mit den Essensresten eine Botschaft aus meiner Zelle zu schmuggeln, und nach Wochen des angstvollen Wartens wäre endlich eine tollkühne Eingreiftruppe durch die Decke gebrochen (vielleicht unter Leitung unserer überaus toughen Stofftier-Geheimagentin Tönnchen), hätte mich aus meiner Not befreit, und später hätte ich mich noch über Monate auf der Quarantänestation eines modernen Berliner Krankenhauses von einer dubiosen Tropenkrankheit erholt …

Das alles könnte ich euch natürlich erzählen, und das würde natürlich auf’s Vortrefflichste erklären, warum ihr solange nichts von mir gehört habt. Mach‘ ich aber nicht. Stimmt nämlich nicht. Wär’s glatt gelogen. Was in Wirklichkeit geschah? Haha. Hier bediene ich mich eines klassischen KLIPPENHÄNGERS 😉

 

Lieblingsbücher 3: Nicht drücken!

Nicht drücken
von Gernot Gricksch

erschienen im oetinger Verlag


 

Wenn plötzlich durchgeknallte Blondinen in schrill-bunten Kimonos auftauchen, sich in kryptischen Andeutungen über die nahe Zukunft ergehen, kompletten Blödsinn reden und dann sogar in der Schule auftauchen (nachdem sie die Physiklehrerin im Klo eingesperrt haben) und dort noch mehr ausgemachten Quatsch reden … dann wird wohl bald etwas Außerordentliches passieren!

Siri nicht gerade das typische Mädchen: Sie spielt gerne Fußball, zieht Sciene Fiction-Romane Liebesgeschichten vor und und hat schon früher ihre Barbies lieber mit dem Brotmesser operiert als ihnen bunte Kleidchen anzuziehen. (Kann ich, die Lucy, natürlich total verstehen – vor allem die Barbie-Brotmesser-Sache!) Ihre Familie findet, sie sei irgendwie viel zu jungenhaft geraten – allen voran ihre hübsche Kosmetikerinnen-Tante Petra, die Siri mit Glamour-Beauty-Schminksets und Modetipps zu mehr Weiblichkeit verhelfen will. Klar, dass Siri davon wenig begeistert ist. Einzig auf gleicher Wellenlänge mir Siri ist ihre beste Freundin Ivana, die sie so akzeptiert, wie sie ist.

Ole hängt in der Schule mit seinen Freunden Jan und Tarik ab – mit echten Kerlen: Fußballspielen, Coolsein und über Mädels ablästern ist angesagt. Dass Ole Mädchen eigentlich ganz O.K. finden – allen voran Siri aus seiner Klasse – und ein Riesenfan der täglichen Mädchen-Soap „Glamour High“ ist, würde er vor seinen Kumpels natürlich niemals zugeben! Aber eigentlich findet er es total blöd, dass zwischen Jungs- und Mädchen-Sachen unterschieden wird und nicht jeder einfach so sein kann wie er will.

Und ausgerechnet auf Siri und Ole haben sie es abgesehen: Die geheimnisvollen Kimonofrauen, die behaupten, zwar drei Schwestern, aber Zwillinge zu sein. Die Begegnungen mit den völlig albernes und abgedrehtes Zeug plappernden Kimono-Zwilldrillingen, die ankündigen, dass in 48 Stunden etwas Großes geschehen werde, beschäftigt die beiden Kinder mehr, als sie sich eingestehen wollen. Was wird wohl in zwei Tagen passieren?

Sie bekommen Päckchen – Siri ein ganz kleines, Ole ein riesiges – zugestellt: Der Inhalt ist der gleiche: je ein kleines Kästchen mit roten Knopf darin. Dazu ein Zettel: NICHT DRÜCKEN! Während Siri und Ole noch überlegen, macht Freundin Ivana kurzen Prozess, drückt (Hätte ich, die Lucy, natürlich auch gemacht!) und – es macht: „Plöpp“. Und sonst? Passiert nichts. Zunächst einmal.

Aber am anderen Morgen steht die Welt buchstäblich Kopf: Mädchen benehmen sich wie Jungen; Jungen wie Mädchen; Männer wie Frauen, Frauen wie Männer. Katzen kläffen Passanten an, während die aggressive Dogge des Nachbarn buckelnd und schnurrend um Siris Beine streicht. Typisch Mädchen? Spielen mit Vorliebe Fußball, sind ungestüm, rüpelhaft und raufen gern! Jungs? Zicken herum, machen sich nicht gern schmutzig und sind viel zarter als die groben Mädchen. Bei ihnen dreht sich alles um das typische Jungszeug: Schminken, Schuhe, Kleidung und … kicher, kicher: Die tollen Mädels … . Die einzigen, die normal geblieben sind, sind Siri, Ivana und Ole. Und die drei wissen überhaupt nicht, was sie von diesen Entwicklungen halten sollen: Siris Tante Petra verwandelt sich von der Kosmetikfee zur rülpsenden Tattoostecherin, die Siri natürlich auch nicht länger mit Make-up-Tipps behelligt – das ist ganz angenehm, aber irgendwie auch befremdlich und so gar nicht Tante Petra. Oles Vater, der Geschäftstermine bislang immer wichtiger fand als die Verabredungen mit seinem Sohn, hat sich in ein treusorgendes Vatertier verwandelt, das den Sohn verhätschelt und betüdelt, während Mama plötzlich einen Fernsehabend mit Chips und Champions League für das Größte hält. Was zwar im Prinzip klasse ist – aber irgendwie fehlt ihm auch seine liebevoll fürsorgliche Mama – und Papa machte sich vorher zwar rar, war aber viel lustiger. Und die Kinder selbst: Siri erlebt sich in der ungewohnten Rolle des „weiblichsten“ aller Mädchens, während Ole im Vergleich zu seinen Kumpels ungewohnt kerlig (nach neuer Definition also geradezu mädchenhaft) abschneidet. Aber besser als vorher fühlt sich das eigentlich auch nicht an.

Dass hinter dem ganzen Spuk die drei Kimonofrauen stecken, ahnen Siri, Ole und Ivana von Anfang an; und mit Hilfe ihres Lieblingslehrers Herrn Pulawksi, der in seiner Kindheit seine ganz eigenen Erfahrungen mit den Kimonofrauen gemacht hat, bringen sie nach und nach in Erfahrung, was ihre eigene Rolle in dem ganzen Spiel ist. Ausgerechnet ein Fußballspiel „Jungen gegen Mädchen“ soll es entscheiden: Besiegen die Jungs die Mädchen, wird alles wie früher, ansonsten bleibt alles so wie es ist. Eine fast unmögliche Aufgabe, denn die Mädchen spielen nicht nur lieber und besser Fußball, sie bekommen auch noch Profi-Unterstützung von den drei Kimonofrauen; während Siri, Ivana und Ole sich mit einem lustlosen Haufen unsportlicher Ball-Legastheniker mit zwei linken Beinen herumschlagen, die beim besten Willen nicht einsehen, warum es erstebenswerter sein sollte, den Ball ins gegnerische Tor zu schießen als in hübschen Trikots perfekt auszusehen!

Wird es ihnen gelingen, den „Normalzustand“ wieder herzustellen? Es wird spannend …

Es macht ja grundsätzlich Spaß, wenn Klischees total überzeichnet und auf den Kopf gestellt werden: Die Schilderungen von oberkerligen Omas, macho-kumpeligen Mamas, albern gackernden, geschminkten Teenagerjungs, einfühlsamen Bauarbeitern und anderen harten Kerlen, die plötzlich mit Strähnchen im Haar auf hohen Hacken durch die Gegend tänzeln, haben mich mehr als einmal in lautes Gelächter ausbrechen lassen. Und die verrückten Kimonofrauen (die übrigens auch noch in anderen Büchern von Gernot Gricksch vorkommen) sind einfach nur abgefahren! Aber wie bei so vielen richtig guten Büchern ist das alles nicht nur ausgesprochen komisch, sondern regt auch ernsthafte Themen an, die uns grundsätzlich, aber gerade auch auf dem Weg zum Erwachsenwerden beschäftigen: Wieviel ist eigentlich dran an den Klischees von typisch „weiblich“ und „männlich“? Wie „typisch“ sind wir selbst – wie entscheidend für unser Identitätsgefühl ist das eigentlich und wie sehr beurteilen wir andere danach? Wo bin ich selbst „total Mädchen“ und wie wichtig ist das für mich? (Bei uns drei Handpuppen hier ist das ja so verteilt: Die Pimpi spielt total gerne mit Barbies und ist sowas von das totale Mädchen, wie es im Buche steht, während die Kuni voll die Skateboard-Sportskanone ist und bis auch ihre Zöpfe auch voll wie ein Junge aussieht. Ich selbst, die Lucy, bin irgendwo dazwischen. Barbies finde ich blöd, aber mein Kleidchen ist natürlich viel hübscher als Kunis Latzhose. Die Pimpi ärgern wegen ihrer Barbies tun Kuni und ich beide. Oder meine Mama? Die trägt hat zwar lange Haare und trägt immer Kleider mit Blumen oder sonstigen wilden Mustern, aber benimmt sich ganz oft überhaupt kein bisschen weiblich … )

Lucys Fazit: Interessant, superlustig und spannend erzählt! Für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet: Lucys unbedingte Leseempfehlung!

Lucys Gesamturteil: ☺ ☺ ☺ ☺ ☺

Die harten Fakten: oetinger Taschenbuch, 256 Seiten, zu haben für gut investierte 6,99 Euro

 

Kirmes

Während die anderen noch ihre Deutscharbeit schreiben (ich bin schon lange fertig, komisch eigentlich! Ich war mit den Fragen ganz schnell durch und habe sogar nochmal alles durchgelesen! Pipileicht! Ich versteh‘ bloß nicht, warum die anderen so schwitzen!), kann ich ja mal schnell noch erzählen, was bei mir am Wochenende los war!

Vorgestern bin ich nämlich mit der Veronika auf der Kirmes gewesen. In Köln ist das ja immer zweimal im Jahr: Einmal nach Ostern und einmal im Herbst. Meistens ist es im Herbst dann schon biestig kalt und auf dem Riesenrad bibbert man die ganze Zeit vor sich hin und wünscht sich, dass es schnell wieder vorbei ist (ist es ja zum Glück auch; die Mama schimpft immer, dass eine so kurze Fahrt für uns alle soviel kostet wie meine gesamte Wintergarderobe), aber in diesem Jahr ist es ja geradezu puppenpopowarm: Genau das richtige Wetter, um sich in einem Sause-Rüttel-Schüttel-Fahrgeschäft den Wind um die Ohren wehen zu lassen!

Die Veronika hat zuerst einmal alles, was von ihrem Taschengeld noch übrig war, an einer Losbude auf den Kopf gehauen, und tatsächlich hat sie so einen großen Plüschtiger gewonnen, den wir zu zweit kaum tragen konnten. War natürlich auch voll schlau, das gleich als Allererstes zu machen! Wir also mit dem riesigen Ding zwischen uns – war natürlich die Marke Stofftier, die sich blödstellt und so tut, als könnte sie weder sprechen noch eine Pfote bewegen, man kennt das ja! – über die Kirmes geeiert. Das war echt kein Spaß, sage ich euch! Ich bin total ins Schwitzen gekommen.

Zum Glück hat die Veronika schnell Hunger gehabt und sich drei Bratwürste, eine extragroße Pommes, zwei Crèpes und ’ne Zuckerwatte zum Nachtisch geholt, und ich konnte mich erst einmal ein bisschen ausruhen.

Danach wollte die Veronika unbedingt auf die“ Wilde Maus“, aber ich hab’ schon gemerkt, dass sie etwas grün im Gesicht ist und dauernd rülpsen muss, und das ist bei Veronika kein gutes Zeichen. Ich hab‘ sie dann überredet, mit mir auf’s Riesenrad zu gehen, weil ich dachte, da muss sie sich wenigstens nicht übergeben, weil’s nicht so schaukelt. Blöd war, dass die Veronika erst damit rausgerückt ist, dass sie immer Höhenangst bekommt, wenn ihr schlecht ist, als wir von unserer Gondel schon einen Superblick auf den Rhein und den Dom und über die ganze Kirmes hatten.

Zur Ablenkung hab‘ ich sie gebeten, doch ein paar hübsche Fotos von mir zu schießen, aber sie ist nur immer noch grüner und dann ganz weiß um die Nase geworden, und dann hat sie versucht, sich in der Gondel so auf die Bank zu legen, dass sie nicht mehr auf den Boden gucken muss. Dabei hat sie ihren neuen Plüschtiger so blöd erwischt, dass der da, wo die kleinen Einstiegstürchen sind, aus der Gondel gekippt ist. Dumme Sache, dass die Veronika wirklich niemals etwas hergeben würde, was sie gerade neu hat, deshalb hat sie versucht, den Tiger noch zu erwischen und da ist sie einfach hinterher gepurzelt. Ich hab‘ zuerst einen Riesenschrecken bekommen, aber dann hab‘ ich mich wieder abgeregt, denn als Puppe kann einem ja nicht wesentlich mehr passieren als ein Ratscher im Kleidchen. Ich musste eigentlich nur die Riesenrad-Fahrt zu Ende bringen und dann unten die Veronika suchen. War nur ein dummer Zufall, dass irgendsoeine Frau unten, die nach oben geschaut hat, auf einmal losgebrüllt hat: „Hilfe, Hilfe!“ – So von wegen, ein Baby wär‘ aus dem Riesenrad gefallen und so. Das gab natürlich einen Riesenaufstand: Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Jugendamt. Als ich unten angekommen bin, hat sich keiner groß um mich gekümmert. Die haben alle um eine Frau aus der Gondel neben mir rumgestanden und haben die angebrüllt, warum die bloß ihr Baby runtergeschmissen hat. Die wusste natürlich von gar nix und hat nur ganz blöd geguckt und immer „Welches Baby denn?“ gefragt.Überall sind Leute rund um das Riesenrad gewuselt und haben danach gesucht. Ich bin auch hinter das Riesenrad und hab‘ geguckt, wo die Veronika ist. Ich hatte sie dann auch ziemlich schnell gefunden. Dem Tiger war zum Glück nichts passiert, der Veronika auch nicht, die beiden waren nur ziemlich dreckig, weil sie direkt in so ein Ölpfütze von einem dieser Kirmeswagen geplatscht waren. Ich hatte ja so das Gefühl, dass wir ziemlich Ärger bekommen, wenn die Leute das mit der Veronika rausfinden, deswegen hab‘ ich sie überredet, den Tiger einfach liegenzulassen und abzuhauen. Die Polizei hat dann den Tiger gefunden und überhaupt kein Baby, und die Frau, die am Anfang so gebrüllt hatte, hat dann auch zugegeben, dass sie es so genau gar nicht gesehen hat, was da eigentlich runtergefallen ist. Die Frau aus der anderen Gondel haben sie dann auch gehen lassen, zum Glück! Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, irgendwie! Obwohl ich mit der ganzen Sache ja eigentlich gar nichts zu tun hatte.

Oh je – gerade kommt mein Deutschlehrer vorbei und hat auf meine Arbeit geguckt und gemerkt, dass er mir aus Versehen die Arbeit von den Fünftklässlern gegeben hat! Na, kein Wunder, dass ich das alles so leicht fand! Kann ich jetzt aber auch nichts machen, ist ja nicht mein Fehler! Ich muss jetzt aber trotzdem Schluss machen, denn mein Deutschlehrer findet, dass ich jetzt sofort ………..

 

2015-11-08 16.03.25

Lucy als Autorin

Falls ihr es noch nicht gemerkt haben solltet: Ich stelle hier auf meiner Seite nach und nach Lieblingsbücher von mir vor. Nicht nur ganz aktuelle, sondern auch schon etwas ältere lesenswerte, die nicht unbedingt jeder kennt. Und wenn mich das Nilpferd, das bei uns wohnt, ganz, ganz lieb bittet, dann stelle ich bald vielleicht sogar mal das Buch vor, das es gerade schreibt und demnächst zu veröffentlichen droht … ähm … plant.

MEIN erstes Buch kennen sicher auch noch nicht alle. Es heißt 2 und 1/2 Portion – Verschwörung im Schlosshotel und ich habe es selbst bei BoD verlegt. Bis jetzt ist es noch nicht der totale Verkaufshit, aber das kommt sicher noch. Ich finde, es hätte das verdient. Die Mama sagt auch, es ist ganz gut, vor allem dafür, dass ich noch in der Grundschule war, als ich es geschrieben habe. Aus Mamas Mund ist das schon ein krasses Lob.

Klar, logo, ich weiß natürlich, dass es voll unfein wäre, hier mein eigenes Buch über den grünen Klee zu loben. Das sollen lieber andere Leute tun. Aber es wär‘ ja auch komisch, wenn ich es gar nicht erwähnen würde.

Ich hab’ das Buch, wie gesagt, schon geschrieben, als ich noch in die Grundschule ging. Ich hab’s erst einmal an fünf Kinderbuch-Verlage geschickt und postwendend zwei Absagen bekommen – so ein Mist! Mama hatte mich ja schon gewarnt, dass das bestimmt passieren würde, weil man wohl normalerweise tonnenweise Absagen bekommt, vor allem, wenn einen noch keiner kennt.  Ich bin aber trotzdem ein bisschen traurig gewesen.

Aber drei Wochen später hat so eine nette Lektorin vom Carlsen-Verlag angerufen und wollte mich – die Lucy!! – sprechen! Das war natürlich total toll, denn die Frau hat mir viele nette Sachen über mein Buch gesagt. Geklappt hat es dann trotzdem nicht, weil die bei Carlsen meinten, das Buch würde nicht so gut in ihr Verlagsprogramm passen, und ich soll doch mal was zu denen Passendes schreiben, dann würde man weitersehen. Naja. Ich war schon ein bisschen enttäuscht, aber ich hab‘ mir fest vorgenommen, was zum Carlsen-Programm Passendes zu schreiben. (Doof an der ganzen Vornehmerei ist natürlich, wenn man dann zu nichts kommt, weil man immerzu in die Schule gehen muss.) Ein paar Wochen später hat sich noch eine nette Frau vom Ueberreuther-Verlag in Wien bei der Mama gemeldet. Die haben mich sogar das ganze Buch überarbeiten lassen, weil sie es in so einer „Spannend-und-Lustig“-Serie unterbringen wollten. Nur hatten die dann zum Schluss irgendwelche Test-Leser-Mädchen, die kamen mit meiner Sprache nicht zurecht! Ich würd‘ mich zu kompliziert ausdrücken für die Altersgruppe, und ich sollte doch besser für ältere Kinder schreiben, aber dann nicht über eine Puppenthematik, weil ältere Kinder das doof fänden!

Ich hab‘ dann nochmal lange überlegt, ob ich mein Buch nochmal vereinfachen soll, aber ehrlich gesagt, ich konnte mir gar nicht vorstellen, was daran so schwer verständlich gewesen sein sollte: Ich versteh‘ ja alles, was ich schreibe, und meine eigenen Testleser hatten ja auch keine Probleme damit!

Jedenfalls hatte ich dann erstmal die Nase voll von Verlagen, denn das war ’ne Menge Arbeit gewesen, das alles so vorzubereiten und zu verschicken, dass die sich das auch anschauen, und dann hat mir die Mama auch noch so ein Buch über das Kinderbuch-Autorentum zu lesen gegeben, in dem drinstand, wie wenig Prozent vom Ladenverkaufspreis beim Autor landen, und da habe ich gedacht: NÖ! Ich werd’ Selbstverlegerin!

Dummerweise wurde dann zum Schluss hin die Grundschule doch noch ziemlich zeitaufwändig: Ich musste jeden Tag hin, nachdem Mama meine Aufzeichnungen zu meinem Buch „99 gute Ausreden, nicht in die Schule gehen zu müssen“ gefunden hatte! Also musste ich meine Selbstverlegerinnenpläne erst einmal verschieben. Aber vorletztes Jahr, da ist mir mein Buch wieder eingefallen. Es hat dann noch fast ein Jahr gedauert, bis ich die Mama soweit bequatscht hatte, dass sie mir das Cover  umsonst macht, denn die macht sowas ja sogar hauptberuflich! (Also, das mit dem umsonst war nicht so das Problem, aber die hatte nie Zeit!). Aber dann hat sie sich sogar noch die Zeit genommen, das Ganze zu illustrieren. Ich finde, das ist ziemlich prima geworden.

Wir haben dann als erstes dafür gesorgt, dass das Buch im kindle-Format bei Amazon verfügbar ist. Das ist wirklich super-einfach, wenn man weiß, wie’s geht. Das Schwierigste daran war, Amazon davon zu überzeugen, dass wir keine Amerikaner sind, kein Geld in den USA verdienen und das auch nicht vorhaben. Der Rest war ein Kinderspiel. Wenn ihr wollt, mach‘ ich demnächst mal eine kleine Video-Anleitung dazu!

Und dann haben wir uns doch noch entschieden, das Ganze als richtiges Buch zu machen. Das könnt ihr übrigens überall bestellen, nicht nur bei amazon, sondern auch in der Buchhandlung um die Ecke. Aber jetzt erst einmal genug davon. Ich werde sicher noch das ein oder andere Mal von meiner Autorinnen- und Selbstverlegerinnentätigkeit berichten. Demnächst plane ich jedenfalls die Fortsetzung von „2 und 1/2 Portion“. Ist fast fertig. Aber wer wieder nicht aus den Puschen kommt – klar: Die Mama! Aber irgendwann wird das schon! Ich sag‘ Bescheid!

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Lieblingsbücher 2: Die schrecklichsten Mütter der Welt

 

Die schrecklichsten Mütter der Welt
von Sabine Ludwig

erschienen im oetinger Verlag


Was macht eigentlich eine schreckliche Mutter aus? Und wie wäre es, wenn an ihre Stelle einfach mal eine richtig nette Frau träte, die einem alle Wünsche von den Augen abliest und einen nicht mit lästigen Anliegen von Hausaufgaben über Haarewaschen bis zu Ins-Bett-Gehen behelligt? Wäre dann alles gut? Und falls das noch nicht die ideale Lösung sein sollte: Kann man wenigstens die eigene Mutter durch Erziehungmaßnahmen optimieren?

Bruno hat’s schwer: Ständig muss er zum Klavierunterricht, Üben, Üben, Üben bestimmt seinen Alltag. Dabei würde er viel lieber in den Boxverein gehen! Geht aber nicht, denn das wäre ja viel zu gefährlich für kostbare Pianistenhände! Denn zumindest eine glaubt, dass in Bruno ein begnadeter Musiker steckt: Seine Mutter. Auch wenn sie mit ihrer Meinung doch ziemlich allein dasteht. Weder Brunos Proteste noch die vorsichtigen Versuche der jeweils beauftragen Musikpädagogen kann sie von ihrer Überzeugung abbringen, dass in Sohn ein musikalisches Genie steckt.

Auch Emily hat allen Grund zur Klage: Sie lebt allein mit Mutter zusammen; Papa ist vor einiger Zeit ausgezogen, hat jetzt eine neue Frau und ist nur noch selten für sie da. Auf ihre Mama allerdings kann Emily kaum zählen: Kochen kann sie nicht, Bügeln erst recht nicht, den Haustürschlüssel hat sie auch nur selten parat, steht ein dringender Termin wie ein Vorstellungsgespräch an (denn chronisch pleite ist sie selbstverständlich auch!), hat sie garantiert vorher vergessen, den Wagen zu betanken. Im Supermarkt steht sie ohne Portemonnaie an der Kasse, hat aber auf dem Weg dorthin bereits einen Apfel verzehrt (den sie, wen wundert’s, vorher nicht ordnungsgemäß abgewogen hat), sodass ihre Tochter sie dort auslösen muss. Emily liebt ihre Mutter, aber manchmal fragt sie sich wirklich, wer hier eigentlich auf wen aufpasst. Als ihre Mutter auch noch die heißgeliebte Bluse, die Papa ihr geschenkt hat, viel zu heiß wäscht und total versaut, hat Emily endgültig die Faxen dicke.

Auch Sofia fühlt sich zu Hause durch und durch unverstanden: Schlimm genug, dass sie alle Höhen und Tiefen eines Teenagerdaseins durchlebt, sie sich zu dick und ihre Haare unmöglich findet: Nein, zu allem Übel hat sie auch ihren kleinen Halbbruder Niklas am Hals, der sie nie in Ruhe lässt und ständig nervt – aber klar: alle anderen halten diesen kleinen Satansbraten für ein entzückendes Engelchen, allen voran ihre Mutter. Logisch, dass auch allein sie immer an allem schuld ist, und dass Niklas ständig bevorzugt und in Schutz genommen wird. Ungerecht ist das!

Alle drei Kinder stoßen auf eine Anzeige „Gesucht wird: Die schrecklichste Mutter der Welt“ und die Website www.schreckliche-Muetter.de, bewerben sich dort und machen ihrem Ärger einmal so richtig Luft. Kurze Zeit darauf sind ihre Mütter verschwunden, stattdessen ist Ersatz da: Bei allen Kindern taucht eine „Tante Anna“ – blond, blümchenberockt, weißbeblust mit hellblauer Strickjacke – und immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Mit Tante Anna wird alles besser: Bruno darf zum Boxen gehen und ist ab sofort vom Klavierüben befreit, Emily kann sich an stets frisch gebügelten Klamotten und zuverlässig servierten Mahlzeiten erfreuen und Sofias Tante Anna scheint gegen Niklas‘ Kleinejungs-Charme völlig immun und widmet stattdessen Sofia ihre ganze Aufmerksamkeit. Soweit so gut? Natürlich nicht. Es dauert nicht lange, und den Kindern wird klar, dass mit den Annas ganz gewaltig etwas nicht stimmt. (Aber ich will hier nicht zuviel verraten, das solltet ihr schon selber lesen! Das ist nämlich total lustig.) Was noch viel wichtiger ist: Alle Kinder merken, dass die Erfüllung ihrer Wünsche auch nicht das Allertollste ist. Bruno genießt das Leben ohne Regeln weit weniger als erwartet, Emily plagt heftige Sehnsucht nach ihrer Mutter und in Sofia wachsen ungeahnte große-Schwester-Gefühle, als sie ihren kleinen Bruder unter Tante Anna leiden sieht. Die drei machen sich unabhängig voneinander auf, ihre Mütter zu suchen und dem Tante-Anna-Geheimnis auf den Grund zu gehen.

Was mit den Müttern passiert ist? Die sind, zusammen mit etwa 20 anderen, in „Wohlfarths Mütter-Verbesserungs-Anstalt“ (WMVA) auf einer kleinen Nordseeinsel namens Nordfall gelandet. Auf dem Gelände einer ehemaligen Spielzeugfabrik hat sich Ex-Firmenchef Walter Wohlfarth einem höheren Ziel verschrieben: die schrecklichsten Mütter der Welt zu guten Müttern umzuerziehen. Das Team den Anstaltsgründer ist bunt zusammengewürfelt: Der geniale Erfinder und Spielzeugentwickler a. d. Kruschke, der die lebensechten Tante-Anna-Roboter entwickelt hat, Sekretärin Ramona, die heimlich in ihren Chef verliebt ist und ihm zuliebe jede Aufgabe übernehmen würde, der ehemalige Chauffeur Sven-Ole, der ständig derbe Witze reißt, über die nur er selbst lachen kann und die gutmütige Haushälterin Wiebke Paulsen. Der tägliche Unterricht an der WMVA umfasst neben Theorie-Unterricht zum Thema Kindererziehung auch Nachhilfe-Unterricht im Sandburgenbauen, Papierflieger-Basteln und Gute-Nacht-Geschichten-Erzählen, ebenso wie Unterweisung in praktischen Fragen der Haushaltsführung wie der Zubereitung gesunder Mahlzeiten, Hosen flicken und Bügeln. Klar, dass in den letztgenannten Disziplinen gerade Emilys Mutter Suse stets als Schlechteste abschneidet, während Sofias Mutter in den Disziplin „Einfühlsamer Umgang mit Teenagern“ Nachholbedarf hat. Brunos Mutter, genannt die „Strebermutter“, ist in allen Disziplinen Klassenbeste – als Streberin aber auch nicht gerade sympathisch.

Dennoch: Alle Mütter machen eifrig mit, weil sie sich in ihren Mutterqualitäten unbedingt verbessern wollen – denn die „schrecklichsten Mütter der Welt“ wollen sie keinesfalls sein!

Als Bruno, Emily und Sofia mit Niklas auf Nordfall eintreffen, wird’s richtig spannend, denn der Tante-Anna-Erfinder Kruschke ist noch ein bisschen durchgeknallter als der Rest der Truppe – so gibt’s zum Schluss sogar noch einen aufregenden Showdown.

Soweit die Geschichte, die immer wieder sehr lustig und spannend erzählt ist und viele originelle Charaktere vorstellt. Sie hat aber auch einen wirklich ernsthaften Kern: Und wie schrecklich können schon Mütter sein, die freiwillig die Schulbank in der WMVA drücken und zum Sandburgen-Bau-Kurs anrücken, um bessere Mütter zu sein? Die Mütter in der Geschichte jedenfalls nehmen ihren Kindern zuliebe ja doch so einiges auf sich! Und auch die Kinder kommen ja selbst recht schnell darauf, dass ihre Mütter zwar nicht immer alles richtig machen, aber sich doch alle Mühe geben.

Und haben nicht alle unsere Mamas irgendwelche Macken? Meine Mama zum Beispiel, die hat einiges mit der Heulsuse gemeinsam, mit Brunos Mama sowieso, und vernachlässigt zugunsten des sogenannten richtigen Kindes werde ich auch! Ich finde sie auch manchmal ganz furchtbar, wenn sie mich zum Lateinüben zwingt zum Beispiel, oder wenn sie Peinliches auf meiner Facebook-Seite postet. Aber wäre ich wirklich mit einer Tante Anna besser dran? Oder, wenn ich an die von meiner Freundin Veronika denke: Die Mutter von der, die erlaubt fast alles, Fernsehen ohne Ende, abends ganz lange aufbleiben, teure Klamotten kaufen, und die Hausaufgaben macht sowieso der Hausaufgaben-Manager. Meine Mama ist viel, viel strenger. Trotzdem möchte ich nicht tauschen. Wahrscheinlich denkt jedes Kind mal, dass seine Mama die schrecklichste Mutter der Welt ist, aber wenn man stattdessen plötzlich so’ne Anna an der Backe hätte, würde einem das Lachen ganz schnell vergehen!

Lehrreiche Erkenntnis für Leser: Mamas sind erstaunlicherweise auch nur Menschen, die nicht aus ihrer Haut herauskönnen. Also Leute, nehmt Eure Mamas mit mehr Humor, die meisten geben sich ja Mühe. Und wenn’s euch so richtig stinkt, lasst ruhig mal so richtig Dampf ab und sagt’s euren Mamas! Auch wenn sie keine besonders tollen Schülerinnen in der WMVA waren – verbesserungswillig waren sie alle (vermutlich auch eure zuhause!).

Lucys Fazit: Ich mag ja sowie die Bücher von Sabine Ludwig sehr gerne: Ihre Figuren sind originell und wachsen einem ans Herz, ihre Geschichten spannend und lustig erzählt. Gerade dieses Buch ist passagenweise nicht nur aufgesprochen witzig, sondern hat bei aller satirischer Überspitzung einen sehr ernsthaften und wahren Kern, der zum Nachdenken und heißen Diskussionen anregt. Lucy sagt: Beide Daumen hoch!!

Lucys Gesamturteil: ☺ ☺ ☺ ☺ ☺

Die harten Fakten: oetinger Taschenbuch, 288 Seiten, zu haben für gut investierte 7,99 Euro