Aus einem bewegten Puppenleben
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Kirmes

Während die anderen noch ihre Deutscharbeit schreiben (ich bin schon lange fertig, komisch eigentlich! Ich war mit den Fragen ganz schnell durch und habe sogar nochmal alles durchgelesen! Pipileicht! Ich versteh‘ bloß nicht, warum die anderen so schwitzen!), kann ich ja mal schnell noch erzählen, was bei mir am Wochenende los war!

Vorgestern bin ich nämlich mit der Veronika auf der Kirmes gewesen. In Köln ist das ja immer zweimal im Jahr: Einmal nach Ostern und einmal im Herbst. Meistens ist es im Herbst dann schon biestig kalt und auf dem Riesenrad bibbert man die ganze Zeit vor sich hin und wünscht sich, dass es schnell wieder vorbei ist (ist es ja zum Glück auch; die Mama schimpft immer, dass eine so kurze Fahrt für uns alle soviel kostet wie meine gesamte Wintergarderobe), aber in diesem Jahr ist es ja geradezu puppenpopowarm: Genau das richtige Wetter, um sich in einem Sause-Rüttel-Schüttel-Fahrgeschäft den Wind um die Ohren wehen zu lassen!

Die Veronika hat zuerst einmal alles, was von ihrem Taschengeld noch übrig war, an einer Losbude auf den Kopf gehauen, und tatsächlich hat sie so einen großen Plüschtiger gewonnen, den wir zu zweit kaum tragen konnten. War natürlich auch voll schlau, das gleich als Allererstes zu machen! Wir also mit dem riesigen Ding zwischen uns – war natürlich die Marke Stofftier, die sich blödstellt und so tut, als könnte sie weder sprechen noch eine Pfote bewegen, man kennt das ja! – über die Kirmes geeiert. Das war echt kein Spaß, sage ich euch! Ich bin total ins Schwitzen gekommen.

Zum Glück hat die Veronika schnell Hunger gehabt und sich drei Bratwürste, eine extragroße Pommes, zwei Crèpes und ’ne Zuckerwatte zum Nachtisch geholt, und ich konnte mich erst einmal ein bisschen ausruhen.

Danach wollte die Veronika unbedingt auf die“ Wilde Maus“, aber ich hab’ schon gemerkt, dass sie etwas grün im Gesicht ist und dauernd rülpsen muss, und das ist bei Veronika kein gutes Zeichen. Ich hab‘ sie dann überredet, mit mir auf’s Riesenrad zu gehen, weil ich dachte, da muss sie sich wenigstens nicht übergeben, weil’s nicht so schaukelt. Blöd war, dass die Veronika erst damit rausgerückt ist, dass sie immer Höhenangst bekommt, wenn ihr schlecht ist, als wir von unserer Gondel schon einen Superblick auf den Rhein und den Dom und über die ganze Kirmes hatten.

Zur Ablenkung hab‘ ich sie gebeten, doch ein paar hübsche Fotos von mir zu schießen, aber sie ist nur immer noch grüner und dann ganz weiß um die Nase geworden, und dann hat sie versucht, sich in der Gondel so auf die Bank zu legen, dass sie nicht mehr auf den Boden gucken muss. Dabei hat sie ihren neuen Plüschtiger so blöd erwischt, dass der da, wo die kleinen Einstiegstürchen sind, aus der Gondel gekippt ist. Dumme Sache, dass die Veronika wirklich niemals etwas hergeben würde, was sie gerade neu hat, deshalb hat sie versucht, den Tiger noch zu erwischen und da ist sie einfach hinterher gepurzelt. Ich hab‘ zuerst einen Riesenschrecken bekommen, aber dann hab‘ ich mich wieder abgeregt, denn als Puppe kann einem ja nicht wesentlich mehr passieren als ein Ratscher im Kleidchen. Ich musste eigentlich nur die Riesenrad-Fahrt zu Ende bringen und dann unten die Veronika suchen. War nur ein dummer Zufall, dass irgendsoeine Frau unten, die nach oben geschaut hat, auf einmal losgebrüllt hat: „Hilfe, Hilfe!“ – So von wegen, ein Baby wär‘ aus dem Riesenrad gefallen und so. Das gab natürlich einen Riesenaufstand: Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Jugendamt. Als ich unten angekommen bin, hat sich keiner groß um mich gekümmert. Die haben alle um eine Frau aus der Gondel neben mir rumgestanden und haben die angebrüllt, warum die bloß ihr Baby runtergeschmissen hat. Die wusste natürlich von gar nix und hat nur ganz blöd geguckt und immer „Welches Baby denn?“ gefragt.Überall sind Leute rund um das Riesenrad gewuselt und haben danach gesucht. Ich bin auch hinter das Riesenrad und hab‘ geguckt, wo die Veronika ist. Ich hatte sie dann auch ziemlich schnell gefunden. Dem Tiger war zum Glück nichts passiert, der Veronika auch nicht, die beiden waren nur ziemlich dreckig, weil sie direkt in so ein Ölpfütze von einem dieser Kirmeswagen geplatscht waren. Ich hatte ja so das Gefühl, dass wir ziemlich Ärger bekommen, wenn die Leute das mit der Veronika rausfinden, deswegen hab‘ ich sie überredet, den Tiger einfach liegenzulassen und abzuhauen. Die Polizei hat dann den Tiger gefunden und überhaupt kein Baby, und die Frau, die am Anfang so gebrüllt hatte, hat dann auch zugegeben, dass sie es so genau gar nicht gesehen hat, was da eigentlich runtergefallen ist. Die Frau aus der anderen Gondel haben sie dann auch gehen lassen, zum Glück! Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, irgendwie! Obwohl ich mit der ganzen Sache ja eigentlich gar nichts zu tun hatte.

Oh je – gerade kommt mein Deutschlehrer vorbei und hat auf meine Arbeit geguckt und gemerkt, dass er mir aus Versehen die Arbeit von den Fünftklässlern gegeben hat! Na, kein Wunder, dass ich das alles so leicht fand! Kann ich jetzt aber auch nichts machen, ist ja nicht mein Fehler! Ich muss jetzt aber trotzdem Schluss machen, denn mein Deutschlehrer findet, dass ich jetzt sofort ………..

 

2015-11-08 16.03.25

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