Aus einem bewegten Puppenleben
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Lucy ist zurück! Was hätte geschehen können …

Ich weiß, ich weiß, ihr habt sehr, sehr lange nichts von mir gehört. Und ihr habt euch sicher gefragt, was denn eigentlich passiert ist! Euch Sorgen gemacht, ob es mir gut geht. Hoffe ich zumindest.

Ich könnte jetzt natürlich erzählen, dass ich entführt worden bin und jahrelang gefangen gehalten wurde. Zum Beispiel in einem Versuchlabor mit allerhand silbrig glänzenden, undurchschaubar gruseligen Apparaturen, geheimnisvoll blinkenden Bildschirmen, vielen Schläuchen und Erlenmeyerkolben mit unheimlich vor sich hinsubbernden stinkenden Flüssigkeiten, fiesen, langen Injektionsnadeln. Eine total durchgeknallte, schielende, ständig wirr vor sich hinmurmelnde Wissenschaftlerin und ihr warzennasiger Assistent hätten mir Elektroden ins Gehirn gesteckt, mich in Röhren geschoben und durch Teilchenbeschleuniger auf Slimies (schreibt man die so???) geschossen und alle Aktionen, Reaktionen und Fusionen akribisch protokolliert. Zum Glück hätte der moralisch noch nicht total verkorkste neue Praktikant sich eines Tages bereit erklärt, eine der Versuchsratten, der ich einen Zettel mit einem Hilferuf um den Schwanz geringelt hätte, einen Moment unbeaufsichtigt zu lassen … Und dann wäre, nach Monaten des Wartens und Hoffens, irgendwann mit lautem Knall und eine Million Glassplitter verspritzend, eine mobile Eingreiftruppe des FBI, MI6, des BKA, des StTG (Stofftiergeheimdienstes), Greenpeace oder die Mission Impossible-Truppe durch die Sicherheitsschleuse gebrochen und hätte mich gerettet.

Oder ich wäre auf einer Reise durch Afrika oder Asien oder Südamerika mitten aus meiner Reisegruppe heraus von maskierten Rebellen mit Maschinengewehren aus dem Bus gezerrt, in einen Sack gesteckt und verschleppt worden. Zuerst hätte man mich irgendwo in einem stickigen, tags brüllheißen und nachts bibberkalten Zelt in der Wüste, an Händen und Füßen gefesselt, gefangen gehalten. Als einzige Gesellschaft hätte mir eine kleine Ziege an den Zehen geknabbert. Einmal am Tag wäre eine von oben bis unten verschleierte Gestalt unbestimmbaren Alters und Geschlechts hereingekommen und hätte mir einen Napf mit unvorstellbar übelriechendem Mampf und einen Tonkrug mit schlammigem Wasser hingestellt. Ich hätte aus lauter Langeweile versucht, der Ziege das Sprechen beizubringen – vergebens natürlich. Wochen später wäre ich auf die Ladefläche eines schäbigen Pick-ups geworfen worden, der mich – stundenlang über buckelige Pisten eiernd – durchgerüttelt hätte, immer in der Gefahr, von den mitreisenden Schafen zu Tode gequetscht zu werden. Spät am Abend hätten wir die Außenbezirke einer gesichtslosen Wüstenstadt erreicht, man hätte mir einen schwarzen Sack über den Kopf gezogen und weggeschleppt. Ich hätte noch den Einstich einer Injektionsnadel gespürt, und dann … Keine Ahnung, wieviel Zeit dann vergangen wäre, bis ich in einer schmuddeligen Zelle aufgewacht wäre. Durch Klopfzeichen hätte ich immer wieder versucht, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen, immer im Ungewissen, ob mich irgendeiner hört. Einmal am Tag hätte mir jemand durch eine Luke einen Napf mit … ihr wisst schon. Siehe oben. Eines Tages wäre es mir gelungen, mit den Essensresten eine Botschaft aus meiner Zelle zu schmuggeln, und nach Wochen des angstvollen Wartens wäre endlich eine tollkühne Eingreiftruppe durch die Decke gebrochen (vielleicht unter Leitung unserer überaus toughen Stofftier-Geheimagentin Tönnchen), hätte mich aus meiner Not befreit, und später hätte ich mich noch über Monate auf der Quarantänestation eines modernen Berliner Krankenhauses von einer dubiosen Tropenkrankheit erholt …

Das alles könnte ich euch natürlich erzählen, und das würde natürlich auf’s Vortrefflichste erklären, warum ihr solange nichts von mir gehört habt. Mach‘ ich aber nicht. Stimmt nämlich nicht. Wär’s glatt gelogen. Was in Wirklichkeit geschah? Haha. Hier bediene ich mich eines klassischen KLIPPENHÄNGERS 😉

 

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